Einen Tag lang an der Musikhoschschule Hochschulluft schnuppern

Wiggys Big Band beim Schülerjazzfestival 2010


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Schon Ende 2009 war klar, die Big Band des Wirtemberg-Gymnasiums hat sich erfolgreich zur Teilnahme am Schülerjazzfestival an der Musikhochschule Stuttgart beworben. - Einem Treffen mit vielen hochkarätigen Schulbigbands aus ganz Baden Württemberg.


Am 25. März um 9.00h war Treffpunkt im Foyer der Musikhochschule. Alle drei an diesem Tag teilnehmenden Big Bands, die 2sCool Big Band vom Zweiten Städtischen Gymnasium aus Rottenburg, die Big Band des Kopernikus-Gymnasiums Wasseralfingen und die Wiggys Big Band überschwemmten mit ihren unzähligen Musikern und Instrumentenköffern den Eingangsbereich der Hochschule. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Organisatoren, wurden die Musiker zu neuen Bands zusammengestellt und dabei bunt durchmischt. Jede Band bekam dann einen echten Musikhochschulprofessor als Workshopleiter zugeteilt. Uli Gutscher, Tillman Jäger und Werner Acker formten schon etliche Generationen von Musikstudenten zu veritablen Profimusikern. Aber würden sie es auch verstehen mit Schülern zu arbeiten, deren musikalische Kenntnisse natürlich niemals an die eines Studenten heranreichen? Mit ihren Formationen sollten sie an diesem Tag ein, den Schülern völlig unbekanntes, Arrangement erarbeiten. Einziger Anhaltspunkt im Vorfeld war, dass es ein Stück von Ray Charles sein würde, denn er war dieses Jahr das Moto des Festivals. Diese Titel sollten dann von den Bands im abendlichen Abschlusskonzert aufgeführt werden.


Schon bei der Begrüßung in den einzelnen Workshopbands ging es extrem locker zu. "Hallo, wir sind ja alles Musiker, da duzt man sich, ihr könnt Uli zu mir sagen." Und spätestens nach den ersten paar Takten gemeinsamen Musizierens war das Eis gebrochen. Die drei Dozenten verstanden es exzelent, die Stärken jedes Einzelnen durch einfache Tricks herauszukitzeln und mit Lob nicht zu sparen. Tillman Jäger erarbeitete mit seiner Band "What´d I Say", Werner Acker trainierte mit seiner Combo "Unchain My Heart", heute eher bekannt durch Jo Cocker, aber eigentlich im Original von Ray Charles gesungen. Bei Uli Gutscher stand eine der wohl bekanntesten und schönsten Baladen von Herrn Charles auf dem Programm: "Georgia". Jedes dieser Stücke enthielt sowohl Ensembleparts in Form von ausgeschriebenen Noten, als auch vor allem viel Platz zur freien Improvisation. - Und das ist ja genau das, wovor sich die Wiggy-Musiker immer beim Auftritt drücken wollen.

Auch für uns Big-Band-Leiter war das Zuschauen bei den Proben ein Zugewinn. Konnten wir uns doch auch noch einige Tricks bei den hochgeschätzten Dozenten abschauen.

Unterbrochen von einem gemeinsamen Mittagessen in der Hochschulmensa, wurde bis ca.16.30h geprobt.

Anschließend begaben sich alle Bands in den Großen Konzertsaal der Hochschule und übten den reibungslosen Ablauf des für diesen Abend angekündigten Konzerts. Soundchec, Stellprobe, die Reihenfolge der Bands, all diese Dinge müssen natürlich auch einstudiert werden und das kostet ganz schön viel Zeit. Vor allem, wenn an diesem Abend ca.80 bis100 Musiker in acht verschiedenen Formationen spielen.

Schon Tage zuvor war das Konzert komplett ausverkauft, obwohl der große Konzertsaal der Hochschule gut 500 Personen Platz bietet.

Eine rießige Bühne, in der Rückwand eingelassen, eine prunkvolle Orgel, steil abgetreppte, vollbesetzte Ränge bis hoch hinauf unters Dach, eine Saalakustik, die jeden Ton transparent in ca.1000 Ohren trägt, und die ebenfalls 1000 Hände die nach den Solis den Applaus auf die Bühne prasseln lassen. Und wenn der Solist acht Stunden zuvor beim Improvisieren nur Angstschweiß produzierte, dann ist das der Adrenalinschocker, der Turbo der die Schädeldecke anhebt und den man bestimmt ein Leben lang nicht vergisst. Zu meinem Erstaunen traute sich fast jeder Wiggy-Musiker an diesem Abend ein kleines Solo.


Neben den Festivalbands präsentierten sich auch die einzelnen Schulbigbands mit jeweils zwei Stücken. Mit "Fat Cat", einem groovigen Swing und unserer Discofunkversion von "Pink Panter" hatten wir nicht allzu schwere, aber dafür umso effektvollere Stücke gewählt. Die Wiggys Big Band spielte ohne zu übertreiben völlig entfesselt, gab Vollgas und groovte ohne Ende. Im Mitklatsch-Animationsteil von Pink Panther war der Saal dann kurz vor der totalen Extase.......... Die Wiggys hoben sich nicht nur farblich mit ihren "Oranje-Shirts" gut von den anderen Bands ab.

Der absolute Höhepunkt des Abends war aber ein Klangkörper der Superlative.

Die Festivalorganisatoren hatten durch beharrliche Bemühungen das fast Unmögliche wahr gemacht und als absoluten Specialguest die SWR Big Band gewinnen können. Eine Formation, die wohl zu den besten Big Bands Europas zählt und 2009 für einen Grammy nominiert wurde.

Die SWR Big Band war unter Leitung von Sammy Nestico, dem weltbekannten Grand Signore im Big Band Geschäft angekündigt. Er schrieb und arrangierte für alle ganz Großen wie z.B. Count Basie etc. Leider hatte sich aber der schon betagte Sammy bei einem Sturz ziemlich verletzt und die SWR Band musste ohne ihn auskommen. Schade, wir hoffen, dass dies nicht die letzte Gelegenheit gewesen wäre ihn in Stuttgart zu erleben.

Als final verbindendes Schlusselement der Veranstaltung spielten schließlich alle Musiker des Abends, Schüler und SWR-Musiker, zusammen den Ray Charles Klassiker "Halleluja I Love Her So".

Nach einem nicht enden wollenden Applaus, packten die Musiker mit einem verzückt, entrückten Lächeln und fünf Zentimeter größer als vorher, rasch ihre Instrumente zusammen. 23h - vorallem die jungen Talente sind zu dieser vorgerückten Stunde normalerweise schon längst im Bett. - Aber was war in diesem Augenblick auf dieser Wolke sieben schon normal?!

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Besondere Aufmerksamkeit galt bei den Wiggys auch den eigenen Fans. Welcher Lehrer ist gekommen? Wo sitzen sie, wen haben sie mitgebracht...? Besonders gefreut hat die Band schließlich die Anerkennung von Herrn Bizer im Anschluss des Konzerts. Und seine spontan verkündete Unterrichtsbefreiung für die ersten beiden Stunden am nächsten Tag löste natürlich Jubelstürme aus.


Die Wiggys Big Band hat das Glück gehabt, einen der größten Höhepunkte zu erleben die eine Jugend Big Band erfahren kann. An den glücklichen Gesichtern der Schüler und an ihrem unbändigen Spaß am Musizieren zeigt die Institution des Schülerjazzfestivals auf eine so offensichtiliche Weise, dass jeder Cent, der in Bildung investiert wird, doppelt und dreifach zurückkommt.


Und damit nicht genug: Am 23. Oktober gehts zum nächsten Workshop nach Osterburken.

Wer ein Saxophon, eine Posaune oder eine Trompete bedienen kann, ist in der Wiggys Big Band nach wie vor herzlich willkommen. Wir suchen vorallem jetzt in vielen Instrumenten (Saxophone, Trompeten und Posaunen) Nachwuchstalente, auch solche die noch am Beginn ihrer Kariere stehen.


Martin Blum

 




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